September 2015 ‚Deutscher Herbst‘ Gewalt! Versöhnung-Frieden!? Geht Frieden anders?

Veranstaltungsreihe der Hofheimer KulturWerkstatt

Aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Wiedervereinigung und dem friedlichen Verlauf der Revolution widmet sich die Hofheimer KulturWerkstatt in Zusammenarbeit mit der Stadt Hofheim den Themen Gewalt, Versöhnung und Frieden.

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Im Zwielicht ©Hagen Bonifer

Unter dem Titel „Deutscher Herbst – Gewalt! Versöhnung-Frieden!?“ fand vom 20. September bis 16. Oktober eine Veranstaltungsreihe aus Film, Lesung, Podiumsdiskussion und Ausstellungen statt.

Mit der Reihe beleuchtet die Hofheimer KulturWerkstatt die gewaltbesetzten Kapitel der jüngeren Vergangenheit Deutschlands, als die Rote Armee Fraktion (RAF) das Land durch Terrorakte erschütterte. Für eine friedliche Konfliktlösung stehen die unblutige Revolution und der Sturz des DDR-Regimes.

Wie lässt sich die Spirale aus Gewalt, Versöhnung und Gewalt durchbrechen und geht Frieden ohne Krieg?
Wie kann man Versöhnung erreichen, wenn eine Gewalt angetan wurde?
Welche Mechanismen gibt es, um Aggressionen von Einzelnen und Gruppen umzukehren?
Wie können Konflikte um existenzielle Bedürfnisse gelöst werden?

Diesen Fragen möchte die Hofheimer KulturWerkstatt nachspüren.

Ausstellungseröffnung 20. September im Stadtmuseum

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe macht die Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum am Sonntag, 20. September, um 11.15 Uhr. Der Künstler Hagen Bonifer zeigt einen 15-teiligen Bilderzyklus zum 2. Juni 1967, dem Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg in Berlin bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien erschossen wurde. Das Ereignis steht für den Beginn der Bildung der Außerparlamentarische Opposition (APO) und letztendlich der Hinführung zum RAF-Terror des Deutschen Herbstes 1977. Mit seinem Bilderzyklus ‚Vom Nutzen zu zweifeln‘ begegnet der aus Mühlheim stammende Künstler Hagen Bonifer der geschichtlichen Dynamik jener Tage.

Kinofilm Black Box BRD am 21. September

Bis in die neunziger Jahre wurde Deutschland erschüttert von der Machtprobe zwischen Staat und Rote Armee Fraktion. Die Gesellschaft ist zerrissen, die Staatsmacht verfolgt ihre Kritiker.

Wolfgang Grams und Alfred Herrhausen stehen für die feindlichen Lager einer polarisierten Gesellschaft. Der eine, Grams, radikalisiert sich und geht in den Untergrund; der andere, Herrhausen, stirbt auf dem Gipfel der Macht.
Andres Veiel stellt in BLACK BOX BRD zwei unterschiedliche Biographien gegenüber.

In BLACK BOX BRD berichten Top-Manager der Deutschen Bank, wie auch politische Weggefährten von Wolfgang Grams. Menschen, die sich bis heute verständnislos gegenüberstehen. Aus ihren gegensätzlichen Erinnerungen setzt sich das Bild eines polarisierten Landes zusammen. Der Kampf ist vorbei, aber die Wunden sind offen.

Lesung am 23. September im Kellereigebäude

Die Fragen, die im Film gestellt und unbeantwortet bleiben, greift der Eppsteiner Buchautor Wolfgang Ullrich in seinem Roman ‚Im Kreis der 12 Apostel‘ auf. Er bezweifelt, dass die RAF für den Mord an Herrhausen verantwortlich war und stellt in seinem fiktiven Kriminalroman die bisher bekannte Geschichte auf den Kopf. Gemeinsam mit der Berliner Schriftstellerin und Weggefährtin Herrhausens, Tanja Langer (geb. 1962 in Wiesbaden) wird der Fall Herrhausen im Rahmen der Lesung von zwei Seiten beleuchtet. Während Wolfgang Ullrich sich rein aus Interesse mit dem Thema auseinandergesetzt hat, beschreibt Tanja Langer die gemeinsame Zeit ihrer außergewöhnlichen Freundschaft mit Herrhausen.

Zwischen 1982 und dem gewaltsamen Tod 1989 verband die junge Philosophiestudentin mit dem einflussreichen Wirtschafts- und Finanzlenker Alfred Herrhausen eine tiefe Freundschaft.

Ihr Buch ‚Der Tag ist hell, ich schreibe dir‘ ist ein subtiler Lebensroman, der nebenbei die Gesellschaftsgeschichte der 80er Jahre aufarbeitet.

Ausstellung ‚Frieden geht anders‘ ab 2. Oktober in Main-Taunus-Schule

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Die Ausstellung ‚Frieden geht anders‘ des Zentrums der Ökumene der evangelischen Kirche Nassau richtet sich vorrangig an jüngere Menschen, denen viele der dargestellten erfolgreichen zivilen Konfliktlösungen nicht unmittelbar bekannt sein werden.
Vom 2. Oktober bis 16. Oktober wird sie im Foyer der Main-Taunus-Schule zu sehen sein.

Da hilft nur noch Militär!

So lautet häufig die medienwirksam vorgebrachte Forderung, wenn ein gewaltsamer Konflikt soweit eskaliert ist, dass Menschenrechte massiv verletzt werden, Opferzahlen steigen und Flüchtlingsströme nicht mehr ignoriert werden können. Doch die Erfahrung zeigt, dass der Einsatz kriegerischer Mittel die Situation meist verschlimmert: Tod, Zerstörung und viele weitere Opfer sind die Folgen.
Mit der Ausstellung wird anhand von neun konkreten Konflikten aufgezeigt, wie mit unterschiedlichen gewaltfreien Methoden Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen verhindert oder beendet werden konnten.

Die Beispiele stammen aus unterschiedlichen Weltregionen, doch die angewendeten Methoden sind grundsätzlich überall einsetzbar. Es liegt immer an den handelnden Personen, also durchaus auch an uns selbst, ob sie ergriffen werden.

Die Ausstellung besteht aus Präsentationselementen mit QR-Codes zum Abspielen zusätzlicher multimedialer Inhalte auf mobilen Endgeräten, Mediastationen mit Touchscreens, auf denen vertiefende Video- und Audiodateien abgespielt werden können und diverser Anschauungsobjekte.

(Foyer der Main-Taunus-Schule, Montag bis Freitag 8:00 bis 16:00 Uhr, Eintritt frei)

Podiumsdiskussion am 5. Oktober in Stadthalle

Wie ist Frieden im Angesicht von Terror, Armut und Konflikten möglich?
Dieser Frage widmet sich die Podiumsdiskussion am
Montag, 5. Oktober, um 19 Uhr in der Hofheimer Stadthalle, die den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet.

Als besonderen Gast hat die Hofheimer KulturWerkstatt den Poetry-Slammer Ansgar Hufnagel mit seinem Beitrag ‚Ein Mensch ist ein Mensch‘ eingeladen. Den Impulsvortrag wird der Islamwissenschaftler, Konflikt- und Friedensforscher, Hochschuldozent und Berater der Universität Köln halten. „Wenn du wahrlich Frieden willst, bereite dich auf den Frieden vor“, nicht auf Kulturkampf“, ist sein Credo. Es diskutieren auf dem Podium:

Werner Rätz (Mit-Gründer von Attac-Deutschland/ Blockupy-Aktivist) ‚Gewalt kann niemals das Ziel sein. Die Frage ist aber, wie Gewalt definiert wird‘,
Markus Krüger (Sozialbüro Main-Taunus)‚ Soziale Gerechtigkeit, funktionierendes Gemeinwesen und Partizipation sind grundlegende Faktoren für Frieden‘,
Wolfgang Buff (Beauftragter für Friedensbildung des Zentrums der Ökumene der Evangelischen Kirche Nassau)‚Es gibt gewaltfreie Methoden mit denen kriegerische Auseinandersetzungen verhindert oder beendet werden können‘,
Thomas Meinhardt (Internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi Limburg)‚Um aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt auszusteigen, bedarf es der Zivilcourage und der Kreativität‘.

Moderiert wird die Podiumsdiskussion am 5. Oktober um 19 Uhr im Malersaal der Stadthalle Hofheim von der Germanistin und mehrfach ausgezeichneten HR-Journalistin i.R. Ulrike Holler.
Der Eintritt ist frei.

Großzügige Unterstützung der Mainova

Die Veranstaltungsreihe der Hofheimer KulturWerkstatt wird unterstützt durch die Mainova und die Stadt Hofheim am Taunus. Dazu kommt der ehrenamtliche Einsatz der Mitglieder der Hofheimer KulturWerkstatt.

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